Mittwoch, 04.02.2026

DEUTSCHLAND – Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat wissenschaftliche Empfehlungen zur Putenhaltung veröffentlicht und damit den Druck auf die Bundesregierung erhöht. Der Deutsche Tierschutzbund nutzt diese Gelegenheit, um verbindliche Vorgaben für die Haltung von Puten einzufordern – bislang fehlen diese in Deutschland vollständig.

Die EFSA analysierte die Tierschutzprobleme in der konventionellen Putenhaltung und empfiehlt konkrete Maßnahmen zur Verbesserung. Besonders bedeutsam: Die europäische Behörde spricht sich für eine drastische Reduktion der Besatzdichte aus. Nach den EFSA-Empfehlungen hätten Hennen und Hähne am Ende der Mast mehr als doppelt so viel Platz im Vergleich zu den minimalen Vorgaben, die sich die deutsche Branche freiwillig auferlegt hat.

Strukturierung und Beschäftigung für besseres Wohlbefinden

Darüber hinaus empfiehlt die EFSA eine Strukturierung der Ställe, das Angebot von organischem Beschäftigungsmaterial sowie einen Außenklimabereich. Diese Maßnahmen adressieren direkt die Ursachen von Verhaltensstörungen, die derzeit durch Schnabelkürzen bekämpft werden. Bei diesem Eingriff amputiert die Industrie routinemäßig einen Teil des Schnabels, um gegenseitige Verletzungen zu verhindern.

Schnabelkürzen soll enden

Die EFSA empfiehlt ausdrücklich, das Schnabelkürzen zu beenden. Die Verhaltensstörung, die zu gegenseitigem Bepicken führt, entsteht durch hohe Besatzdichten, mangelnde Strukturierung und fehlende Beschäftigung – also durch Haltungsbedingungen, die sich verbessern lassen. Solange der Eingriff noch erlaubt ist, fordert die EFSA eine effektive Schmerzbehandlung während und nach dem Schnabelkürzen.

Franziska Hagen, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund, kommentiert die Empfehlungen deutlich: „Die europäischen Empfehlungen sind ein erneuter Weckruf an die Bundesregierung: Es braucht in Deutschland endlich verbindliche Vorgaben an die Putenhaltung. Eine Reduktion der Besatzdichte und Mindestanforderungen für die Beschäftigung der Tiere und zur Strukturierung des Stalls, wie sie die EFSA empfiehlt, wären ein erster Schritt in die richtige Richtung und würden auch das schmerzhafte Schnabelkürzen überflüssig machen.“

Vorarbeiten liegen vor – Umsetzung ausstehend

Die bisherigen Bundesregierungen hatten bereits Vorarbeiten zur Anpassung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung geleistet. Der Tierschutzbund appelliert nun an die aktuelle Regierung, diese Vorlagen aufzugreifen, nachzubessern und zügig umzusetzen. Allerdings: Bis eine EU-weit gültige Verordnung zur Putenhaltung in Kraft tritt, dürften noch Jahre vergehen. Die Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung zielt darauf ab, die Haltungsbedingungen von landwirtschaftlich genutzten Tieren europaweit zu verbessern.

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