DEUTSCHLAND – Deutschland hat ja wirklich viele Talente. Wir sind pünktlich, organisiert und Meister der Bürokratie. Aber wenn es um Winter geht – also um das Konzept „kalt, weiß, von oben“ – dann sind wir als Nation ungefähr so belastbar wie ein Butterkeks im Fußbad.
„Schneefall – 80 Prozent“
Der Beleg für diese eisige These: Tief „Elli“, das diese Woche über Deutschland „hereingebrochen“ ist. Ab Donnerstag klebte ganz Deutschland am Handy, checkte Wettervorhersage und Schneeradar, die das Ende der Welt anzukündigen schienen: „Schneefall – 80 Prozent“. Bedeutet, dass es mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit schneit. Und mit 20-prozentiger eben nicht.
Schulen zu, Straßen frei
Wahrscheinlich genug, um das Land lahmzulegen. Schulen blieben vorsorglich zu, und nachdem in Elternchats bis tief in die Donnerstagnacht diskutiert wurde, ob man es verantworten könne, seine Kinder durch die Winterkatastrophe in die Penne zu schicken, sahen die Straßen in Berlin am Morgen aus wie zuvor: schneefrei, geräumt. Nur ohne Kinder.
Zwei Fahrstile bei Schnee
Bei Schnee gibt es nur zwei Fahrstile: Entweder „Ich fahre Eis-Speedway, ich kann alles“ oder „Ich bin ein Reh auf Laminat“. Auf der linken Spur drängelt der SUV mit dem Selbstverständnis eines Expeditionsleiters („Ich hab Allrad!“), rechts fährt der Kleinwagen so langsam, dass noch langsamer rückwärts wäre.
55 Unfälle in Lüneburg
Gerutscht wurde vor allem im Norden ordentlich. Die Autobahnen dicht, in Lüneburg gab es 55 Unfälle, in Friesland fuhren sich reihenweise Autos in Schneeverwehungen fest. Busse fuhren nicht, im Norden stellte die Bahn wie jeden Winter den Verkehr komplett ein.
Supermarkt-Sturm bei ersten Flocken
Wo es wirklich eskalierte: im Supermarkt. Kaum fielen Flocken, wurde eingekauft, als stünde eine dreimonatige Polar-Expedition an, bei der Toast, Butter und Nudeln nicht ausgehen dürfen.
Opa im Sessel lacht
Und überall diese Gespräche. Deutsche lieben Wettergespräche, Schnee ist die Königsklasse. Währenddessen feixt der Opa im Sessel: „Früher nannte man das: Winter.“
Neben all dem Alarm passierte ganz viel Schönes. Quietschende Kinder bei der Schneeballschlacht, Schneemann-Armeen in den Parks, Eisläufer auf zugefrorenen Seen und überall diese verträumten Blicke. Vielleicht ist genau das unser Winterwunder: Wir drehen kollektiv durch – und finden es insgeheim ein bisschen großartig.

