Donnerstag, 26.02.2026

MÜNCHEN – Im Kreativquartier entsteht ein Pilotprojekt, das zeigt, wie modernes Bauen funktioniert: Die Genossenschaft „Das große kleine Haus eG“ hat heute Richtfest für ihr innovatives Wohngebäude gefeiert. Das Besondere daran ist der Bauansatz. Mit dem Programm Gebäudetyp-e erprobt das bayerische Bauministerium neue Wege, um Bauen einfacher und bezahlbarer zu gestalten.

Das Projekt vereint Wohnen, Gewerbe und Soziales unter einem Dach. Durch kluge Planung und flexible Abweichungen von üblichen Bauvorschriften entstehen dabei beachtliche Einsparungen. Nach aktuellen Berechnungen kostet das Gebäude mehr als elf Prozent weniger als vergleichbare Standardbauten – ohne dabei an Qualität einzubüßen. Gleichzeitig gewinnt das Haus zusätzliche Wohn- und Nutzfläche. Diese Kombination gelingt insbesondere durch schlankere Konstruktionen, wie die Planer der ARGE Teleinternetcafe/bogevischs buero zeigen.

Flexible Regeln ermöglichen innovatives Bauen

Das Bayerische Bauministerium testet das Konzept Gebäudetyp-e derzeit in 19 Pilotprojekten landesweit. Die Grundlage schaffte 2023 eine Änderung der Bayerischen Bauordnung, die einfachere Abweichungs- und Experimentiermöglichkeiten ermöglicht. Beim Münchner Projekt kommen mehrere Maßnahmen zum Einsatz: Die zulässige Geschossfläche konnte überschritten werden, beim Schallschutz greifen Abweichungen von der DIN-Norm, und die neue Holzbaurichtlinie mit Erleichterungen für höhere Gebäude fand Anwendung. Für wiederverwendete Stahlbauteile erteilte die Stadt eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung.

Landespolitik setzt auf schnelle Umsetzung

Bauminister Christian Bernreiter betont das Potenzial des Ansatzes: „Der Neubau wird ein echtes Multitalent. Hier braucht es innovative Ansätze, da unterstützen wir als bayerisches Bauministerium gern. Unser Ziel mit dem Gebäudetyp-e ist: Bauen einfacher und bezahlbarer machen, dabei auf das Wesentliche besinnen und das sind die Menschen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen!“ Vertreten durch Ministerialdirektor Thomas Gloßner bekräftigte er auf dem Richtfest: „Die Zwischenergebnisse zeigen, dass wir mit Gebäudetyp-e in Bayern auf dem richtigen Weg sind.“

Allerdings sieht Bernreiter noch eine Hürde: Im Zivilrecht gelten derzeit hohe Qualitätsstandards, die über öffentlich-rechtliche Vorgaben hinausgehen. Das macht Abweichungen rechtlich unsicher und hemmt ihre praktische Anwendung. Der Bauminister fordert daher Änderungen im Bürgerlichen Gesetzbuch. Bundesbauministerin Hubertz und Justizministerin Hubig haben Ende November ein Eckpunktepapier für ein Gebäudetyp-E-Gesetz vorgelegt. Bayern setzt sich beim Bund aktiv dafür ein, dass diese Regelungen konsequent und rasch umgesetzt werden.

Architekten und Wissenschaft bestätigen den Erfolg

Rainer Hofmann, Architekt und Vorstand der Genossenschaft, fasst den praktischen Nutzen zusammen: „Der Gebäudetyp E ermöglicht auf die jeweiligen Projekte zugeschnittene Abweichungen von den Regeln der Technik. Mit Geschick und Kreativität kann so gute Architektur zu deutlich reduzierten Kosten verwirklicht werden.“

Auch die wissenschaftliche Begleitung bestätigt die Qualität des Pilotprojekts. Prof. Elisabeth Endres erklärt: „Das Beispiel ‚Großes kleines Haus‘ ist essentiell in der Vermittlung der Qualitäten, die durch ganzheitliche Konzeption, integrale Planung und innovative Fertigung und vor allem mit Mut und Verantwortungsbewusstsein durch den Gebäudetyp-e in Bayern geschaffen werden.“

Weitere Informationen zum Gebäudetyp-e und einer Kurzübersicht aller 19 Pilotprojekte finden sich auf der Homepage des Bauministeriums unter https://www.bauen.bayern.de/miniwebs/gebaeudetyp-e/index.php

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