Freitag, 23.01.2026

NÜRNBERG – Das zweite Jahr in Folge gingen im Herbst 2025 wilde Kulane auf große Fahrt über 2.000 Kilometer quer durch Kasachstan: Der Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg e.V. und der Tiergarten der Stadt Nürnberg unterstützten ihre langjährigen Projektpartner erneut dabei, die seltenen Wildesel vom Altyn-Emel-Nationalpark in das Naturschutzgebiet Altyn Dala zu transportieren.

Ökologisches Gleichgewicht wiederherstellen

Dort stärken sie eine neu entstandene und sich entwickelnde Population. Im Herzen Kasachstans waren die großen Pflanzenfresser vor Generationen ausgestorben – ihre wichtige Rolle im Ökosystem fehlte dort. Für das Team aus Naturschützerinnen und Tierärzten war dieser Transport emotional und logistisch anspruchsvoll – dennoch gibt die Ankunft einer neuen Gruppe in Zentralkasachstan Anlass zur Hoffnung, dass die „goldene Steppe“ wieder ihr ökologisches Gleichgewicht zurückerlangt.

50 Stunden Transport

Im September 2025 transportierten schwere Lastwagen die Gruppe wild gefangener Kulane in knapp 50 Stunden über mehr als 2.000 Kilometer durch Kasachstan. Während der langen und anspruchsvollen Reise überwachten die Experten die Tiere dank speziell entwickelter Transportcontainer kontinuierlich. Die von „Conservation Solutions“ entwickelten Container ermöglichten die Fütterung, Tränkung und stetige Videoüberwachung während der gesamten Fahrt.

Zwei Tiere überlebten Transport nicht

Dennoch kann es vorkommen, dass einzelne Tiere in Panik geraten – was auf dem Transport im Herbst 2025 tragischerweise bei zwei der beteiligten Tiere geschah. Beide Kulane erlitten schwere Verletzungen und überlebten den Transport nicht. Obwohl die Sicherheit und das Tierwohl für das Team oberste Priorität haben, lassen sich Risiken bei der Arbeit mit Wildtieren nicht komplett eliminieren.

Encke: „Große Pflanzenfresser unabdingbar“

„Wir arbeiten seit 2012 mit unseren internationalen Partnern zusammen, um den Lebensraum Steppe in Kasachstan zu erhalten“, wie Tiergartendirektor Dr. Dag Encke laut Pressemitteilung sagte. Große Pflanzenfresser wie Kulane und Przewalski-Pferde sind dabei ein unabdingbarer Bestandteil, weil sie helfen, den Lebensraum für viele andere Tier- und Pflanzenarten offen zu halten.

Erster Winter im Gehege

Die Kulane verbringen nun ihren ersten Winter in einem 54 Hektar großen Gehege, bevor sie sich im nächsten Frühjahr ihren Artgenossen in der Natur der Goldenen Steppe anschließen. Mit ihnen ist die sich entwickelnde Kulan-Population in Altyn Dala auf dem besten Weg, sich selbst zu erhalten.

Vom Aussterben bedroht

Kulane sind eine der vom Aussterben bedrohten Unterarten des Asiatischen Wildesels. Die großen Weidetiere und Grasfresser unterstützen den Nährstoffkreislauf der Graslandschaft und verbreiten Samen über große Entfernungen. Einst als edles Wild angesehen und ausschließlich von politisch privilegierten Personen gejagt, sind Kulane vor einem Jahrhundert in den weiten Steppen Zentralkasachstans ausgerottet. Seit 2017 kehren sie im Rahmen der Altyn Dala Conservation Initiative in ihre Heimat zurück.

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