Dienstag, 10.02.2026

MÜNCHEN – Das Luftfahrt-Startup ERC System hat mit der Flugerprobung seines vollelektrischen Senkrechtstarters begonnen. Der Prototyp „Romeo“ zählt zu den größten und schwersten Elektrofluggeräten, die bislang in Europa in die Luft gingen. Mit einem Abfluggewicht von 2.735 Kilogramm und einer Spannweite von 16 Metern stellt das Fluggerät einen Meilenstein in der Entwicklung nachhaltiger Lufttransportlösungen dar.

Die Flugtestkampagne dient der Entwicklung eines hybrid-elektrischen, bemannten Fluggeräts fßr kritische Einsätze. Das Unternehmen optimiert die Technologie speziell fßr den Patiententransport zwischen Krankenhäusern. Dabei verfolgt ERC System ein bewährtes Konzept: Das Fluggerät startet und landet senkrecht wie ein Hubschrauber, nutzt im Reiseflug jedoch Tragflächen fßr einen effizienten Vorwärtsflug wie ein Flugzeug.

Zulassung fĂźr 2031 angestrebt

Dr. David Löbl, Mitgründer und Chief Executive Officer von ERC System, betont die Vorteile dieser Architektur: „Mit dieser Auslegung erreichen wir Betriebskosten deutlich unter denen eines Hubschraubers. Gleichzeitig lassen sich Transportzeiten im Vergleich zu bodengebundenen Mitteln erheblich verkürzen – ein klarer Vorteil bei zeitkritischen Einsätzen.“ Das Unternehmen strebt die Zulassung des bemannten Fluggeräts für das Jahr 2031 an.

Die Erkenntnisse aus der aktuellen Flugerprobung fließen unmittelbar in die Entwicklung des ersten kommerziell verfügbaren Fluggeräts ein. Das Münchner Startup verfolgt diese Strategie bereits seit dem Erstflug seines ersten Prototyps „Echo“ im Jahr 2023. Durch Flugtests mit Prototypen in Originalgröße und realistischer Abflugmasse adressiert das Unternehmen technologische und flugbetriebliche Herausforderungen möglichst früh im Entwicklungsprozess.

FĂźhrende Luftrettungsorganisationen als strategische Partner

Die DRF Luftrettung, eine der größten Luftrettungsorganisationen Europas, begleitet die Entwicklung als zentraler strategischer Partner aktiv. „Der erfolgreiche Erstflug des Prototyps markiert den Übergang vom Konzept zur praktischen Erprobung“, erklärt Dr. Krystian Pracz, CEO der DRF Luftrettung. Neben der DRF engagieren sich führende Luftrettungsorganisationen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und weiteren Ländern in diesem Projekt.

Dr. Pracz sieht großes Potenzial für die künftige Einsatzflotte: „Gemeinsam entwickeln wir eine zusätzliche Option für den Patiententransport. Die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen – die Reduzierung und Spezialisierung von Kliniken, größere Transportdistanzen und ein zunehmender Fachkräftemangel – erfordern neue Lösungen. Deshalb sind wir überzeugt, dass der ERC-Flieger in den 2030er-Jahren einen festen Platz in unserer Flotte einnehmen wird.“

Erweiterung um unbemannte Frachtfluggeräte geplant

Neben bemannten Fluggeräten fßr Patienten- und Personentransporte verzeichnet ERC System wachsende Nachfrage nach unbemannten LuftlogistiklÜsungen. Das Unternehmen arbeitet derzeit an der Erweiterung seines Produktportfolios um ein unbemanntes Frachtfluggerät (UAS). Dabei greift das Startup auf seine ßber fßnfjährige Erfahrung aus der Entwicklung und Erprobung schwerer unbemannter Prototypen zurßck. Weitere Details zur neuen Produktlinie teilt das Unternehmen im zweiten Quartal 2026 mit.

ERC System, gegrßndet 2020 von erfahrenen Luftfahrtexperten, beschäftigt derzeit rund 60 Mitarbeiter. Das Unternehmen erhält Unterstßtzung durch den Luft- und Raumfahrtkonzern IABG. Ziel ist die kapitaleffiziente Entwicklung innovativer Luftfahrzeuge, die hÜchste Kunden- und Zulassungsanforderungen erfßllen.

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