Donnerstag, 19.02.2026

WALDKIRCHEN – Fast zwei Jahre lang haben Sensoren in der niederbayerischen Innenstadt Besucherströme erfasst. Die Ergebnisse des Modellprojekts „Smart City Analytics Waldkirchen“ zeigen jetzt deutlich: Der Einzelhandel prägt massgeblich das Leben in den Stadtkernen. Im gesamten Messzeitraum von Januar 2024 bis Oktober 2025 besuchten rund 2,4 Millionen Menschen die Waldkirchener Innenstadt.

Die Daten offenbaren einen klaren Zusammenhang. Innenstadtbereiche mit starkem stationärem Einzelhandel verzeichnen eine um 36 Prozent höhere Frequenz als der Stadtdurchschnitt. An Feiertagen, wenn Läden geschlossen bleiben, sinkt die Besucherzahl auf rund 35 Prozent des Normalwerts ab. Das unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung des traditionellen Handels für die Ortskerne.

Veranstaltungen und Freizeitangebote treiben Besucherzahlen in die Höhe

Die Anziehungskraft von Veranstaltungen zeigt sich deutlich. Der Faschingszug lockte über 17.000 Besucher an. Ostermärkte und Marktsonntage vervielfachten das Besucheraufkommen um das Zwei- bis Dreifache. Den Spitzenwert erzielte der Mai 2025 mit über 184.000 Besuchern im gesamten Stadtgebiet.

Auch die Koppelungen zu anderen Infrastrukturen spielen eine wichtige Rolle. Rund 35 Prozent der Schüler und über 21 Prozent der Besucher von Freizeitstätten wie der Eishalle oder dem Schwimmbad nutzen im Anschluss die Angebote der Innenstadt. Gering sind dagegen bislang die Koppelungen zum Besucherzentrum der Firma Penninger – hier gibt es Optimierungspotenzial.

Neue Öffnungszeiten sollen besucherschwache Zeiten beleben

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sieht in den Erkenntnissen eine Lösung gegen Lerstände. „Der Einzelhandel prägt das Gesicht unserer Innenstädte und Ortskerne. Mit dem neuen Ladenschlussgesetz und den bis zu zwölf längeren Verkaufsnächten hat der Einzelhandel neue Möglichkeiten“, erklärte der Minister bei der Ergebnisvorstellung am Mittwoch.

Der Abschlussbericht empfiehlt konkret, besucherschwache Zeiten am Samstagnachmittag durch flexiblere Öffnungszeiten zu nutzen. Innovative Formate wie „Late-Night-Shopping“ könnten hier Abhilfe schaffen – das seit August 2025 gültige neue bayerische Ladenschlussgesetz bietet dafür die rechtliche Grundlage.

Darüberhinaus rät der Bericht zu einer gezielten Ansiedlungsinitiative für Einzelhandel und Gastronomie in Leerständen. Damit sollen die hohen Aufenthaltsqualitäten erhalten bleiben. Rund 60 Prozent der Waldkirchener Besucher halten sich länger als 30 Minuten in der Stadt auf – ein Indiz für die Attraktivität des Angebots.

Blaupause für ganz Bayern

Aiwanger betont die überregionale Bedeutung des Projekts. „Die in Waldkirchen gewonnenen Erkenntnisse sind nicht nur für das lokale Stadtmarketing Gold wert, sondern dienen als Blaupause für ganz Bayern“, sagte er. Damit könnten andere Kommunen von den Erfahrungen profitieren und ähnliche Strategien entwickeln.

Die Stadt Waldkirchen führte das Projekt in Zusammenarbeit mit der Ariadne Maps GmbH und der CIMA Beratung + Management GmbH durch. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie förderte das Modellprojekt mit insgesamt 192.000 Euro. Auch der Handelsverband Bayern und die Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel beteiligten sich an der Finanzierung.

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