MÜNCHEN – Die Branddirektion München hat gemeinsam mit Microsoft Deutschland einen KI-Sprachbot entwickelt, der die Aufnahme von Krankentransporten automatisiert. Das Projekt soll die Integrierte Leitstelle (ILS) entlasten und mehr Kapazitäten für zeitkritische Notrufe schaffen. Der innovative Sprachbot kam am Mittwoch (25. Februar 2026) in den Eisbach-Studios der Öffentlichkeit vor.
In der Leitstelle der Branddirektion treffen täglich rund 2.500 Anrufe ein, darunter etwa 400 Anfragen für Krankentransporte. Da Notrufe Vorrang haben, entstehen derzeit bei planbaren Transporten Wartezeiten von mehreren Minuten. Das System belastet sowohl die Mitarbeiter in der Leitstelle als auch das Fachpersonal in Kliniken erheblich.
KI ersetzt nicht, sondern unterstützt Menschen
Der neue Sprachbot bearbeitet ausschliesslich geplante, nicht-kritische Krankentransporte wie etwa Verlegungen zwischen Kliniken. Erkennt die KI Unsicherheiten oder einen möglichen Notfall, leitet das System den Anruf sofort an menschliche Mitarbeiter weiter. Eine mehrstufige Absicherung gewährleistet Sicherheit: Der Bot prüft Vollständigkeit und Plausibilität von Angaben, gleicht Adressen über Datenbanken ab. Abschliessend kontrollieren ausgebildete Dispatcher alle Informationen und disponieren die Rettungsmittel. „Die KI hilft – der Mensch rettet“, erklärt Wolfgang Schäuble, Leiter der Branddirektion München.
Die Pilotphase zeigte beeindruckende Ergebnisse: Die Bearbeitungszeit für einen Krankentransport-Anruf sank von durchschnittlich dreieinhalb Minuten auf nahezu null für die Leitstellen-Mitarbeiter. Das gibt der Leitstelle mehr Ressourcen für echte Notrufe. Kliniken entfallen zudem Wartezeiten, da ihre Anfragen direkt durch den Bot erfolgt.
Technologie mit Datenschutz-Fokus
Die Lösung basiert auf Microsoft Azure und nutzt hochmoderne HD-Voice-Technologie. Der Sprachbot klingt wie ein echter Mensch – die KI-Stimme atmet, schluckt und macht Sprechpausen. Neben Deutsch (inklusive Dialekten) unterstützt das System Englisch, Französisch, Polnisch und Serbisch. Weitere Sprachen sind in Planung.
Datenschutz war von Beginn an zentral. Die Anrufannahme und Datenspeicherung erfolgen in der Umgebung der Branddirektion München. Das Projekt erfüllt höchste Anforderungen des europäischen AI Act, BSI-Richtlinien und Microsofts Datenschutz-Commitments. „KI allein kann keine Leben retten – aber sie verschafft den Menschen, die sich um Patienten kümmern, wertvolle Zeit“, sagt Alexander Britz, Public Sector Lead bei Microsoft Deutschland.
Prof. Dr. Matthias Klein vom LMU Klinikum Großhadern testete den Sprachbot in der Praxis. Sein Fazit fällt positiv aus: „Transporte konnten sofort angemeldet und Informationen frei formuliert übermittelt werden. Fehlende Informationen fragt der Bot gezielt nach. Der Chatbot kennt keine Warteschleife, was den Prozess insgesamt erheblich beschleunigt.“
Rollout startet im Frühjahr
Nach dem Testbetrieb im Februar folgt der mehrstufige Roll-Out am LMU Klinikum Großhadern im Frühjahr. Danach soll sich die Lösung schrittweise auf weitere Kliniken in München und ganz Bayern ausweiten. „Wir erleben seit Jahren einen kontinuierlichen Anstieg an Notrufen und Krankentransporten. Personell und räumlich haben wir mittlerweile eine Grenze erreicht“, erläutert Wolfgang Schäuble.
Münchens Kreisverwaltungsreferentin Dr. Hanna Sammüller betont den Mehrwert: „Mit dem Einsatz des KI-Sprachbots gehen wir einen wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung und Effizienz. Künstliche Intelligenz unterstützt unsere Disponenten dabei, noch schneller und präziser zu handeln – zum Schutz der Münchner.“ Die zugrunde liegende KI-Plattform ist so konzipiert, dass sie perspektivisch auch für weitere Anwendungen in anderen Bereichen von Leitstellen, Feuerwehr und Verwaltung nutzbar sein könnte.

