MÜNCHEN – Ein Schimpansen-Baby erblickte am Samstagnachmittag im Hellabrunner Urwaldhaus das Licht der Welt. Die Geburt verlief komplikationslos ab und beide Elterntiere kümmern sich vorbildlich um ihren Nachwuchs. Mutter Zenta, 45 Jahre alt und selbst in Hellabrunn geboren, zeigt sich aufmerksam und erfahren. Das Geschlecht des Jungtiers steht derzeit noch nicht fest.
Die Ankunft des Schimpansen-Babys hat besondere zoologische Bedeutung: Vater Jambo kam Ende 2024 nach München, vermittelt durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Sowohl Jambo als auch die beiden Hellabrunner Weibchen Zenta und Sophie gehören der stark bedrohten Unterart der Zentralafrikanischen Schimpansen an. Diese leben in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Kongo, Gabun und Kamerun unter massivem Druck. In zoologischen Einrichtungen weltweit existieren derzeit nur 43 Individuen dieser Unterart.
Wichtiger Erfolg für den Artenschutz
„Die Erweiterung unserer seit 2003 bestehenden Schimpansen-Gruppe folgte einer klaren Empfehlung des EEP für die Unterart der Zentralafrikanischen Schimpansen“, erklärt Kurator Dr. Hanspeter Steinmetz. „Nach der Eingewöhnung von Jambo Ende 2024 haben wir nun einen wichtigen Meilenstein erreicht.“ Der Kurator betont die Verantwortung des Tierparks: „Als wissenschaftlich geführter Zoo tragen wir Verantwortung für den Erhalt bedrohter Arten. Mit dem Nachwuchs leisten wir einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung der Reservepopulation dieser Unterart.“
Die Situation der Schimpansen in der Natur ist besorgniserregend. Laut dem Jane Goodall Institute sank die Population dieser Menschenaffenart seit den 1950er Jahren um über 80 Prozent. Lebensraumverlust, Wilderei, Klimawandel und Regenwaldabholzung gefährden die verbleibenden Bestände massiv.
Botschafter für bedrohte Artgenossen
Tierparkdirektor Rasem Baban unterstreicht die Bedeutung solcher Erfolge: „Wir sind überzeugt: Menschen schützen, was sie kennen. Ein Jungtier schafft Nähe und Aufmerksamkeit. Wer beobachtet, wie eng sich das Baby an seine Mutter klammert und behutsam seine Umwelt entdeckt, erlebt unmittelbar, wie komplex und sozial Schimpansen leben. Dieses Erleben schafft Verständnis – und Verständnis ist die Grundlage für wirksamen Artenschutz.“
Aufsichtsrätin und Bürgermeisterin Verena Dietl freut sich über die Entwicklung: „Die Geburt des Schimpansen-Babys ist eine großartige Nachricht für München und ein starkes Zeichen für den engagierten Artenschutz in Hellabrunn. Ich bin mir sicher, dass das Jungtier die Herzen der Besucher*innen im Sturm erobern wird.“
Besucher können Jambo, Zenta und das Jungtier im Urwaldhaus beobachten. Der Tierpark achtet darauf, dass die Familie jederzeit in rückwärtige, nicht einsehbare Bereiche ausweichen kann. Die vollständige Hellabrunner Schimpansen-Gruppe umfasst nun vier zentralafrikanische Tiere sowie die Männchen Willi und Walter (Söhne von Sophie) und die Weibchen Hannerl und Annemarie. Das letzte in Hellabrunn geborene Jungtier war Walter im Jahr 2003.

