BAYERN – Schlammiges Hochwasser richtet erhebliche Schäden an, besonders wenn es überraschend auftritt. Aus diesem Grund fließen nun 3,6 Millionen Euro aus dem Interreg-Nordwesteuropa-Programm der Europäischen Union in ein ehrgeiziges Projekt. Die Federführung liegt in Bayern, konkret bei der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).
Das Projekt MUDCAP („MUDdy flood mitigation through transnational action-oriented CAPacity building“) verfolgt ein klares Ziel: Es entwickelt praktische Lösungen, um plötzliche Überschwemmungen mit schlammigem Wasser vorherzusagen, zu verhindern und ihre Folgen zu verringern. An diesem grenzübergreifenden Hochwasserschutz-Projekt arbeiten 18 Partner aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden zusammen.
FAU Erlangen-Nürnberg koordiniert europäisches Hochwasserschutz-Projekt
Die Friedrich-Alexander-Universität trägt ihre Expertise in Umwelt- und Sozialwissenschaften ein und unterstützt die Entwicklung digitaler Werkzeuge sowie neuer Beteiligungsformate für Kommunen und Bürgerinnen und Bürger. Das Ziel dahinter: Gemeinden besser vernetzen, Verwaltungsabläufe aufeinander abstimmen und gemeinsam Vorsorgemaßnahmen entwickeln, die langfristig Bestand haben. Dr. Klaus Geiselhart vom Institut für Geographie der FAU erläutert die Herausforderung: „Eine Herausforderung bei gesellschaftlichen Transformationsprozessen ist es, zielführende Formate der Zusammenarbeit zwischen den vielfältigen Akteuren aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu gestalten. Hier wollen wir ansetzen.“
Aiwanger lobt praktische Umsetzung europäischer Zusammenarbeit
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger begrüßt die Förderzusage enthusiastisch. „Wenn Hochschulen, Kommunen und internationale Partner an einem Strang ziehen, profitieren alle“, erklärt Aiwanger. „Interreg zeigt, wie europäische Zusammenarbeit ganz konkret funktioniert, mit Know-how, das wir in Bayern nutzen, und Fördermitteln, die bei uns ankommen.“
Der Minister unterstreicht die Bedeutung für die anwendungsorientierte Forschung: „Die Förderzusage belegt, dass unsere anwendungsorientierte Forschungslandschaft international Spitze ist. Die Lösungen, die in Franken erarbeitet, sind nicht nur vor Ort wichtig, sondern international anwendbar.“
Aiwanger betont zudem die Notwendigkeit der praktischen Umsetzung: „Mir ist wichtig, dass EU-Programme keine Theorie bleiben. MUDCAP verbindet Forschung mit Praxis und stärkt damit unsere Kommunen und Regionen ganz konkret. Genauso müssen solche Projekte geplant.“ Das Hochwasserschutz-Projekt erstreckt sich über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren.
Das Interreg-Nordwesteuropa-Programm im Überblick
Das Interreg-Nordwesteuropa-Programm ist ein Förderprogramm der Europäischen Union zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Es unterstützt Projekte, bei denen Partner aus mehreren Ländern gemeinsam an Lösungen für gemeinsame Herausforderungen arbeiten – mit dem Ziel, Regionen wirtschaftlich zu stärken und voneinander zu lernen. Finanziert wird das Programm aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Für die Europäische territoriale Zusammenarbeit stellt die EU im Förderzeitraum 2021–2027 insgesamt rund 8,9 Milliarden Euro bereit, davon rund 310 Millionen Euro für das Interreg-Nordwesteuropa-Programm.

