BERLIN – Deutsche Wissenschaftler untersuchen eine bisher unentdeckte Gefahr fürs Herz. Mutierte Zellen, die als Klone gelten, stellen einen neuen Risikofaktor dar, wie die BILD zuerst berichtete.
Mutationen erhöhen Entzündungsgefahr
Bei manchen Menschen kommt es im Alter zu Mutationen in Blutzellen. In der Folge bilden diese mutierten Zellen viele Entzündungsstoffe. Das wiederum erhöht die Gefahr von Gefäßverkalkungen, Blutgerinnseln und schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wissenschaftler des Uniklinikums Freiburg und der Charité – Universitätsmedizin Berlin wollen jetzt den genauen Mechanismus bei diesen sogenannten CHIP-Mutationen entschlüsseln. Ihre Studie erhält Förderung von der Deutschen Herzstiftung.
Ungewollte Zellklone im Blut
Wenn sich blutbildende Stammzellen verändern und ungewollte Zellklone produzieren, sprechen Experten von „klonaler Hämatopoese mit unbestimmtem Potenzial“, auf Englisch: „clonal hematopoiesis of indeterminate potential“ – abgekürzt CHIP.
Besondere Gefahr für Vorhofflimmer-Patienten
Klonzellen können nicht nur neue Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen, sondern auch bereits bestehende kardiovaskuläre Probleme verschärfen. Besonders im Fokus: Patienten mit Vorhofflimmern. Prof. Dr. Heribert Schunkert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung: „Zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Vorhofflimmern, und sind damit dem Risiko schwerer Folgeerkrankungen ausgesetzt“, wie er laut BILD-Bericht sagte. So begünstige das Vorhofflimmern das Auftreten von Schlaganfall oder Herzschwäche. Mit den CHIP-Mutationen kommt ein zusätzlicher Risikofaktor für diese Patienten und viele andere chronisch herzkranke Menschen hinzu.
Mutationen wirken wie Brandbeschleuniger
Dabei verdichten sich die Anzeichen, dass die Bedrohung für manche Vorhofflimmer-Patienten noch massiver ist als bisher angenommen. Dabei wirken die Mutationen wie eine Art Brandbeschleuniger.
Jeder Zehnte über 70 betroffen
Betroffen sind vor allem ältere Menschen. „Wir gehen davon aus, dass in der Generation 70 Plus etwa jeder Zehnte diese Mutationen in sich trägt“, wie Prof. Ingo Hilgendorf, Leiter der Klinik für Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum des Deutschen Herzzentrums der Charité, laut BILD-Bericht sagte. Die Forscher wollen besser verstehen, welche konkrete Rolle die CHIP-Mutationen beim weiteren Krankheitsverlauf spielen beziehungsweise ob und wie die Mutationen ihn verschärfen.

